Der Bau von Venedig: ein Meisterwerk der Bautechnik

Der russische Schriftsteller Alexander Herzen sagte “eine Stadt zu bauen, wo es unmöglich ist, eine Stadt zu bauen, ist Wahnsinn, aber dort eine der elegantesten und großartigsten Städte zu bauen, ist der Wahnsinn eines Genies”. Das stimmt. Seit mehr als 1600 Jahren ist die „schwimmende Stadt“ noch ein Wunder der Bautechnik. Wissen Sie warum?

Wie wurde Venedig erbaut?

Die Geschichte von Venedig begann um das 5. Jahrhundert, wegen der Überfälle der Goten und später auch der Hunnen, die nach Rom hinsteuerten. Die Bewohner des venetischen Festlands mussten ihre Städte verlassen und suchten Zuflucht auf die stillen, armen aber sicheren Inseln der Lagune, wo sie sich niederließen. Im Laufe der Jahrzehnte gründeten sie eine mächtige Republik, die Serenissima, die ihre Blütezeit im 16. Jahrhundert erlebte.

Aber bevor es zu einer starken Handels- und Seemacht entwickeln konnte, bestand Venedig nur aus einer Gruppe von etwa 124 sumpfigen Inselchen, die aus dem niedrigen Wasser der Lagune erheben. Die Stadt wurde also auf diesen trockengelegten Inseln erbaut und ihre Fundamente bestehen aus Millionen von Pfählen, die eng in den sandigen und lehmigen Untergrund der Lagune gerammt wurden. 

Zu diesem Zweck wurden Lärchen- und Eichenpfählen aus Norditalien (Cadore) benutzt, die besonders wasserfest und flexibel sind und über Flüsse nach Venedig transportiert werden konnten. 

Um diese Pfähle zu transportieren, benutzten die Tischler Flöße und machten am Kai Fondamenta delle Zattere (deutsch: Flößestraße) fest. Diese Straße erstreckt sich von Punta della Dogana bis San Basilio und dort waren auch viele Salzlager. Das Salz war die Haupteinnahmequelle von Venedig und wurde sowohl aus der Lagune gewonnen als auch aus anderen Mittelmeerräumen importiert.   

Der Bau von Venedig auf Holzpfählen

Wegen des Mangels an Sauerstoffe, zersetzen sich die Pfähle nicht und im Laufe der Zeit versteinern sie und werden sogar stärker. Danach wurden einige Schichte Lärchenbohlen und wasserundurchlässiger istrischer Kalksteinen auf diesen Pfahlbauten gelegen und um die Gründungen zu stärken, wurden die Zwischenräume mit Lehm und Schlick gefüllt. Das regelrechte Mauerwerk der Stadt beginnt hier.

Im Museum Correr am Markusplatz können Sie ein Aquarellgemälde des italienischen Malers Giovanni Grevenbroch (Venedig, 1731-1807) sehen, der die Arbeit der Venezianer beim Pfählen des Baugrunds darstellt. 

Die Kanäle

Um die Inseln der Lagune trockenzulegen und anfangen, darauf zu bauen, mussten die Venezianer Kanäle ausheben und die Dämme mit Backsteinen befestigen. Je mehr Inseln erbaut wurden, desto mehr Kanäle wurden gegraben.

Die Kanäle waren in der Antike die Hauptzirkulationswege in Venedig und die Gondeln waren die beliebtesten Verkehrsmittel der Venezianer. 

Außer dem Canal Grande, der fünf Meter tief ist, und dem Canale della Giudecca, der eine Tiefe von 17 Metern hat, sind die anderen Kanäle nur 1,5 oder 2 Meter tief. Im Laufe der Zeit wurden viele von denen aber verbreitet und dann aufgeschüttet, um neue Gassen zu bauen. Das ist der Fall unserer Gasse, die in die Calle della Mandola führt. Hier war einst ein Kanal, der Rio della Mandola, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgeschüttet wurde.

Die Kanäle müssen ständig dräniert, gereinigt und befestigt werden, denn das Brackwasser korrodiert die Backsteine und man muss sie durch neue ersetzen.

Tausende Gassen aber nur ein Platz

Das Labyrinth von Gassen in Venedig entsteht aus dem engen Raum zwischen den Gebäuden und da sich die Venezianer am meisten mit dem Boot bewegten, war die Größe der Gassen nicht so wichtig. Anhand ihrer Eigenschaften wurden sie mit verschiedenen Namen bezeichnet. 

Im Allgemeinen werden sie “calli” genannt und einst waren sie nicht gepflastert. Die ersten gepflasterten Gassen heißen “salizade”, während sich das Wort “ruga” auf Gassen mit Geschäften und Häusern bezieht. Man nennt “piscina” eine sumpfige Gegend, die später aufgeschüttet wurde, und “ramo” eine Sackgasse. Die breiten Straßen, die ein Ufer entlangführen, werden “fondamenta” genannt.

Diese Gassen sind manchmal wirklich sehr eng und wenn Sie in der engsten Gasse Venedigs spazieren gehen möchten, dann besichtigen Sie das Stadtviertel Cannaregio: in der Nähe von Campo Widmann ist die engste Gasse Venedigs, Calle Varisco, die nur 53 cm breit ist!

In Venedig gibt es mehr als 200 Plätze aber nur einer heißt “ Platz” (italienisch: piazza): Der Markusplatz.

Der Markusplatz ist der größte, schönste und auch der erst gepflasterte Platz der Stadt. Die anderen kleine Plätze heißen “campi” oder “campielli”, was “Field” bedeutet, denn in der Antike waren sie nämlich bebaute Felder. Dort graste natürlich auch das Vieh.

Die Brunnen

Auf jedem Platz ist mindestens ein Brunnen zur Wasserförderung. Wie der Historiker Marino Sanudo im 15. Jahrhundert schrieb, “Venedig ist auf dem Wasser aber es hat kein Wasser”, deswegen waren diese Brunnen sehr wichtig, um Trinkwasser zu gewinnen.

Der Bau eines Brunnens war aber sehr kompliziert und teuer, deswegen wurden die Bauarbeiten von den adeligen Familien finanziert. Die reichen Händler und die Adeligen ließen gerne diese Brunnen bauen und schenkten sie dann der Stadt, manchmal auch aus Großzügigkeit, manchmal um ihr soziales Prestige zu zeigen. 

Die Puteale, also die Einfassung eines überdeckelten Brunnen, sind echte Kunstmeisterwerke. Sie sind alle verschieden und mit Reliefskulpturen geschmückt. Dargestellt wurde oft das Wappen der Familie, die dafür bezahlt hatte, oder Frucht- und Blumengirlanden, Delphine und ähnliche Figuren, die mit dem Meer und also mit Venedig als Seemacht zu tun hatten.

Die Brücken

Jede Insel wird mit der nächsten durch eine Brücke verbunden. Heute gibt es mehr als 400 Brücken aber nur vier von denen überqueren den Canal Grande. In der Antike waren sie aber nicht so viele und bis zum 16. Jahrhundert sogar völlig anders: sie waren in der Tat flach, alle aus Holz, und hatten keine Geländer und keine Stufen, um die Durchfahrt von Kutschen und Pferden zu erlauben.

Genauso wie die Gassen, haben auch die Brücken einen eigenen Namen, der normalerweise mit einer interessanten Geschichte oder mit den Ereignissen verbunden ist, die dort stattfanden. Einige Beispiele? Der Ponte dei Pugni (die „Brücke der Fäuste“), der Ponte del Diavolo (die „Brücke des Teufels“) oder der ehemalige Ponte dei Assassini (die „Brücke der Mörder“)… aber das erzählen wir Ihnen nächstes Mal.

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